Donnerstag, 29. November 2007

Wenn ich morgens aufwache ...


Zurzeit muss ich, wenn ich morgens aufwache, als Erstes ans Stricken denken.
Woran stricke ich heute weiter, wie weit werde ich kommen, bevor mir am Abend die Nadeln aus der Hand fallen, schaffe ich heute die verschlungene Zopfpassage ... Es ist ein bisschen, als wäre man verliebt. Nein, nicht nur als wäre man: Hast du ein neues Projekt, das dich begeistert, bist du einfach verliebt.
Verliebt in das Neue daran, das sich kontinuierlich Entwickelnde, verliebt in das Wachsen und Gedeihen, in all die kleinen Entdeckungen, die du täglich verfolgen kannst. Verliebt in das Vergnügen, das es dir bereitet, verliebt in die Lust am Tun, verliebt in seine unzähligen Details.
Verliebt zu sein, hält dich neugierig und aufmerksam, optimistisch und unternehmungslustig. Tatsächlich würdest du am liebsten dauernd was mit dem Objekt deiner Begierde unternehmen, es anfassen, damit herumspielen, dich an seinem Anblick weiden.
Doch irgendwann ist aus diesem reizvollen Verhältnis ein Pullover, ein Stirnband, ein Paar Socken geworden. Das Neue daran ist verpufft, dein Strickstück ist fertig, und langsam lässt deine Verliebtheit nach.
Wie schön, wenn dann die Liebe dazu bleibt und dein Werk sein Leben lang begleitet.

Dienstag, 27. November 2007

Die verstrickte Dienstagsfrage - 48/2007


Heute fragt das Wollschaf:
Liebes Wollschaf ,ich sitze hier vor meiner ersten IWK und würde gerne einen Pulli daraus stricken. Nun bin ich aber des Englischen nicht so mächtig, daß ich sofort losstricken kann.Nun meine Frage:Wie geht man bei einer fremdsprachigen Anleitung am besten vor? Wie machen das die anderen?
Vielen Dank an Susan für die heutige Frage!!
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Der Wollmops hat überlegt und sagt dazu:
Auch ich halte es mit der genialen englischen Abkürzungsliste von Designeryarns - die hab ich irgendwann entdeckt, und beim ersten englischsprachigen Strickprojekt hab ich schon einiges draus gelernt. Wenn man allerdings Anfängerin ist, so wie ich das damals war, wird's schon ein bisschen mühsam: Erst mal die Abkürzung auf der Liste entschlüsseln, dann im Basisstrickbuch nachschauen, wie das, was da offenbar gemeint ist, überhaupt gemacht wird ... und dann auch noch machen. Autsch! Da rutschte so manche Masche von der Nadel.
Aber auch wenn es Kampf und Fingerkrampf bedeutet: Englische Strickbücher sind was Wunderbares. Und für alle, die den Aufwand scheuen, gibts ja gegen Aufpreis, z.B. bei Martina, auch immer wieder welche mit Übersetzung.
Ich rüste mich jedenfalls schon mal - zu Weihnachten wünsch ich mir nämlich Knitting over the Edge von Nicky Epstein.

Sonntag, 25. November 2007

Fertig und fertiger, sagte Alice



Also, das hat mich bisher wirklich fertiggemacht: diese Strickprojekte, die einfach nicht fertig werden wollen.

Na ja, was heißt da wollen - wer weiß schon, was Strickprojekte für Wünsche haben? Vermutlich gar keine. Andererseits verselbständigen sie sich vielleicht irgendwann, so wie andere Schöpfungen, wie Romanfiguren oder Bilder, denen man irgendwann nicht mehr den eigenen Willen aufdrängen, sondern denen man ihren Willen lassen muss. Entwickeln sie, statt sich ihren Anleitungen zu unterwerfen, womöglich absonderliche Vorstellungen davon, was sie mal werden wollen, wenn sie groß sind?

Auf jeden Fall entwickeln sie unangenehme Eigenschaften: Denn liegengelassene Strickprojekte sind ein bisschen wie Schulden. Immer wieder spürst du ein Zwicken im Nacken, das dich daran erinnert, dass da noch was zu bereinigen ist. Ein chaotischer Bereich, der nach Ordnung ruft. Aber natürlich braucht man Disziplin, um die Sache zu Ende zu bringen. Und dazu muss man sich überhaupt mal eingestehen, dass da was zu erledigen ist, muss das sorgsam Verdrängte zulassen, das Zwicken im Nacken akzeptieren.
Kurz: Sich dem Projekt wieder zuwenden, offen und freundlich, mit Liebe zum Werk.

Also habe ich mich jetzt entschlossen, abwechselnd immer an einem großen neuen Projekt zu arbeiten (und es fertigzustellen) und ein altes abzuschließen - so wie diesen Poncho für zu Hause. Kleine neue Projekte zu beginnen ist jederzeit erlaubt. Ich meine: Irgendwie müssen ja auch in Zukunft Projekte liegenbleiben können, damit ich sie hochdiszipliniert wieder aufgreifen kann.

Ja, ja, nicht nur fürs Stricken, auch fürs Leben lernen wir.

Mittwoch, 21. November 2007

Die verstrickte Dienstagsfrage - 47/2007


Heute fragt das Wollschaf: ... als ich mich zu der Seite "Strickspiration" angemeldet habe, konnte man auch seine Strickerfahrung angeben. Weil ich mich damit etwas schwer getan habe, hätte ich folgenden Fragevorschlag: " Wie (und warum) würdest du deine Strickerfahrung beschreiben, wenn du nur folgende Antwortmöglichkeiten zur Auswahl hättest ?":
Anfänger

Fortgeschritten

Profi

absolute Expertin/ absoluter Experte

Vielen Dank an Sandra für die heutige Frage!!
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Der Wollmops überlegt und sagt dazu:
Da ich nun meine ersten Zopfmuster hinter mich gebracht habe, würd ich mich nicht mehr als unverstrickte Anfängerin bezeichnen. Aber was echte Profis oder gar absolute Expert/innen sind, das seh ich auf so manchem Blog! Mensch, was Ihr nicht alles könnt! Unglaublich! Auch ich möchte da gern mal hinkommen, dass ich Lochmuster selber entwerfe und ohne mit der Wimper zu klimpern Fair-Isle-Muster zu herrlichen Jacken verflechte.
Da hab ich noch einen langen Weg vor mir. Aber andererseits - was macht das? Das Schöne am Stricken ist ja grad das Stricken, und insofern ist wieder mal der Weg - das Ziel.

Sonntag, 18. November 2007

Dreierpullover


Gestern waren wir beim Koreaner essen. Im Seoul, hier in München. Und weil ich schon ahnte, dass wir auch übers Stricken reden werden, hatte ich die Filati Nr. 32 dabei. Vor allem eigentlich für Regina, die eine Jacke plant.
Allerdings stießen wir dann auf diesen Pullover aus Caldo. Weich, dicknadelig und einfach eine Augenweide mit seinem simplen, aber eindrucksvollen Muster. Je länger der Abend dauerte, desto öfter wurde diese Seite aufgeschlagen, Patrizia, Regina und ich durchforsteten die Strickanleitung, und allmählich machte sich eine Art Knitalong-Stimmung breit. Ergebnis: Wir beschlossen alle drei, uns diesen Pullover zu stricken.
Wahnsinn. Kaum hab ich vor ein paar Tagen endlich mal rausgekriegt, was ein Knitalong ist - hab ich auch schon einen. Hurra! Nicht nur mein erster Blog, sondern auch gleich mein erster Knitalong.
Für alle Nicht-Strickerinnen: bei einem Knitalong stricken alle Beteiligten das gleiche Projekt oder Muster, nur in jeweils eigenen Varianten.
Und wenn sich jetzt alle Nicht-Strickerinnen fragen, was das für einen Sinn macht ... könnte man natürlich antworten, dass es sehr praktisch ist, sich bei einem Projekt gegenseitig unterstützen zu können ... aber wir haben einfach beschlossen, dass wir nach Fertigstellung unserer Pullover quer durch die Fußgängerzone Münchens flanieren werden, stolz wie Schneeköniginnen, und uns von den japanischen Touris als Drillinge ablichten lassen.
Mal schauen, ob die uns das abkaufen.

Dienstag, 13. November 2007

Die verstrickte Dienstagsfrage 46/2007



Heute fragt das Wollschaf:
Wie bist Du zum Bloggen, bzw. Bloglesen gekommen? Wie wurdest Du darauf aufmerksam? Kannst Du Dich noch erinnern welches Webtagebuch das erste war, das Du bewußt wahrgenommen hast? Vielen Dank Martina für die heutige Frage!
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O ja, ich kann mich erinnern, denn es ist gerade erst ca. 2 Wochen her: Ein libanesischer Musiker, Mazen Kerbaj, der für 2 Tage bei uns wohnte, weil er hier in München auf dem Ad-Hoc-Festival aufspielte, gab uns seine Blog-Adresse. Mazen spielt nicht nur brillant frei improvisiert Trompete , sondern ist auch noch ein toller Comiczeichner, dessen Bilder mich ganz verschieden ansprechen. Manche sind unglaublich witzig, manche erzählen von den Bomben in Beirut, manche sind einfach nur wunderschön.
Just zwei Tage davor hatte ich erstmals überlegt, zu bloggen, und nach der Begegnung mit Mazen war es beschlossene Sache!

Sonntag, 11. November 2007

Filz-it!


Ich stricke, also bin ich. Oder so ähnlich. Bei anderen ist das ja bekanntermaßen anders, zum Beispiel bei den Filzerinnen und Filzern. Die sind nicht glücklich, wenn sie nicht mit beiden Händen in seifiger Wolle wühlen können.
Hinter klitzeGROSS steht auch so jemand. Bei Monika gibt es alles vom kleinsten bis zum großen Filz, von der Babyrassel bis zum Sitzkissen. Da ich das Vergnügen habe, mit ihr befreundet zu sein, komme ich hin und wieder in den Genuss einer Live-Modenschau mit den neusten Kreationen. Filzketten, Haarbänder, Armbänder, Mützen und poppige Schlüsselanhänger kriege ich dann zu sehen.
Dann bedaure ich es schon ab und zu, dass ich nicht selber filze, sondern bloß stricke. Aber wenigstens werde ich jetzt für Monika meine Zopfmütze nachstricken, in einer anderen Farbe, weil sie ihr so gut gefällt. Das ist dann doch Balsam auf meine filzlose Strickerinnenseele.

Donnerstag, 8. November 2007

Der Bommel ist rund


Warum lieben Kinder Bommel? Warum finden auch Erwachsene sie niedlich oder gar schick?
Ehrlich: Ich weiß es nicht. Auch bei Wikipedia wird diese Frage nicht beantwortet - hier findet man unter dem Stichwort Pudelmütze aber immerhin die Auskunft, dass der Bommel Fellfrisuren ähnelt, wie sie am Pudel vorkommen. (Zumindest vorzukommen pflegten, heute hat man das ja nicht mehr so.) Auch als praktischer Haltepunkt für rasantes Mütze-vom-Kopf-Reißen ist er laut Wiki offenbar beliebt.
Nun ja. Der Duden erklärt, Bommel sei landschaftlich für Quaste - meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein typischer Fall von Knappdaneben, aber was soll's. In keinem Fall erfahren wir hier irgendwas über die Beliebtheit des Bommels. Also können wir nur spekulieren: Ist es das flauschige Gefühl, das einen beim Ergreifen des Bommels ergreift? Ist es die Rundlichkeit des Objekts, die uns im tiefsten Innern befriedigt? Ist es die schiere Sinnlosigkeit, die uns belustigt, wenn wir eine Reihe Bommel am Schal baumeln sehen?
Egal, was es ist, ich mache jedenfalls einen an die Mütze für mein Weihnachten im Schuhkarton.
Und egal, warum, er gefällt mir schon jetzt.

Dienstag, 6. November 2007

MützenIntermezzo


Die Nadel bringt es an den Tag: Das dritte aktuelle Strickprojekt ist eine Mütze. Schon längst fällig, habe ich endlich damit angefangen. In der Tat ist es allerhöchste Zeit, denn diese Mütze ist für die Aktion Weihnachten im Schuhkarton bestimmt, und spätester Abgabetag ist der 17.11.

Also ruht der Pullover, die Handschuhe ruhen, alles ruht. Außer meinen Fingern, die sich in Fäden verstricken und in Nadeln verfangen. Habe ich die richtige Maschenzahl angeschlagen? Wird dem unbekannten Mädchen, das meinen Schuhkarton bekommt, die Farbe gefallen? Wird die Mütze nach zweimaligem Tragen ausleiern?

Fragen über Fragen. Faktisch lässt sich nur eines sagen: Diese Mütze zu stricken macht mir viel Spaß. Und vielleicht besteht ja eine kleine Chance, dass sie dem später damit bemützten Kind genauso viel Spaß macht wie mir. Würd ich mir jedenfalls wünschen.

Sonntag, 4. November 2007

Strick-Auf!


Und fertig ist das Rückenteil!
Wie man an selbigem ganz hervorragend erkennen kann, ist meine Stricke etwas unregelmäßig. Nur böse Zungen würden behaupten, das liege daran, dass ich noch nicht sooo lange stricke. Ich persönlich ziehe die Erklärung vor, dass die Wolle - Contiki - stark in sich variiert. Und dass das ja gerade den Reiz an der Sache ausmacht.

Heimlich verzehre ich mich schon länger nach einem Strickprojekt aus absolut glatter Wolle in Uni, bei dem ich zeigen kann, dass ich inzwischen schon wesentlich ausgeglichener stricke als vor zwei Jahren. Aber ständig funken mir wildfarbige Sockenwollen oder Garne wie Royal Tweed dazwischen, deren besondere Eigenart es ist, eher kruschelig als glatt zu wirken. Und natürlich daher besonders freundlich zu flauschen.

Tatsächlich spiele ich jetzt schon mit der Idee, mir einen Pullover aus Royal Tweed zu machen, denn diese Wolle ist wirklich ein Gedicht. Ein Gedicht aus reinem Merino.
Aber irgendwann werde ich es schon noch schaffen. Glatt, uni, makellos. 2015 wäre dafür vielleicht ein ganz gutes Jahr ...

Freitag, 2. November 2007

Zopflos

Ich weiß ja nicht, wie's Euch geht, aber ich kann nicht nur an einer einzelnen Sache herumstricken. Der Pullover zum Beispiel liegt auf Jackenstricknadeln, und die sind für manche Gegebenheiten einfach zu ausladend. Da freut man sich dann doch über ein erfrischendes kleines Nadelspielchen zwischendurch.
Momentan hab ich da den ersten Handschuh nach einer fantastischen Anleitung aus http://anleitungen.bestrickendes.de/ drauf, in den wunderschönen Herbstfarben einer Rödel-Wolle, wenn ich mich recht entsinne. Zurzeit habe ich zwar immer genügend Platz um die Ellenbogen für mein verzopftes Hauptstrickprojekt, aber man weiß ja nie, ob man nicht doch mal im Zug sitzt und dann froh ist um einen platzsparenden Alleinunterhalter, den man einfach aus der Tasche ziehen kann. Zumal man dieser Tage nicht weiß, wie lange man womöglich sitzen bleiben muss. Oder ob man überhaupt einsteigen darf.




Donnerstag, 1. November 2007

Zopfwachstum


Eigentlich unglaublich, wie schnell die Dinger wachsen, wenn man sie nur ein bisschen gießt und düngt. Kaum vergehen zwei Tage, hat man sich schon in Ärmelausschnittsnähe gestrickt. Vielleicht liegts ja nur an meiner mangelnden Erfahrung mit Pullovern, dass mir die Zeit jetzt so kurz vorkommt, respektive an der Kombi mit den dicken Nadeln, aber erfreulich ist und bleibt es!
Bisher verschwiegen habe ich übrigens, dass ich schon mal 20 cm hoch war und dann alles noch mal auftrennen musste - wieder mal die Strickschrift nicht genau genug gelesen. Lesen hilft? Ja, klar. Allerdings nur, wenn man nicht vor lauter Aufregung über das neue Projekt die Hälfte übersieht.
Na, soll nicht noch mal vorkommen. Ab jetzt inspiziere ich jede Strickschrift ganz genau. Und biete demnächst wahrscheinlich einen Kurs an: Strickschriften lesen - ein wolllustiger LeitFaden.