Donnerstag, 28. Februar 2008

Wie alles begann - Folge 2



Noch jemand gab es, der hervorragend stricken konnte, als ich mich noch mit Händen und Füßen gegen sämtliches Genadel sträubte: Elvira. Elvira konnte Mustersocken, als es noch keine selbstmusternde Wolle gab, und strickte sie auf Wunsch für Mädchen aus unserer Klasse.

Himmel, was habe ich Handarbeiten damals gehasst. Irgendwie brachte ich keine zwei gleichen Maschen zustande, von Nähen und dergleichen ganz zu schweigen. Nie werde ich diesen im Endergebnis zugegebenermaßen niedlichen weißen Rock mit Stufen und Streublümchen vergessen, den ich mit Hängen und Würgen und der Hilfe meiner (anderen) Großmutter zuwege brachte.

Gut, das war mit 13. Aber mit 17, zur wunderbaren Sockenstrickzeit von Elvira, sah's nicht viel besser aus. Irgendwann hatte ich mal eine heiße Phase mit Sparstrümpfen gehabt - selbst entworfene Häkelsäckchen, die leider keiner wollte - und dann eine mit Tragebeuteln - schon ziemlich schöne seesackähnliche Objekte, die ich lange benutzte -, aber mit Stricken und Nähen hatte ich nicht wirklich Fortschritte gemacht. Wie gesagt, da war mal dieser eine Pullunder, aber die Inkonsistenz der Maschenführung war von Nahem gar grauslich anzuschauen. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: über Sackartiges bin ich nie hinausgekommen. Schon peinlich. Da hast du eine sockenimschlafstrickende Großmutter und eine Sockenkünstlerin als Freundin, und du selbst bist und bleibst die alte Strickniete.

Aber ob peinlich oder nicht: Ich hatte einfach nicht die Geduld für lange Projekte. Das fällt mir ja heute noch schwer. Wie offenbar vielen unter uns, die sich am Schluss noch mit dem zweiten Ärmel oder dem Zusammennähen quälen. Elvira hatte da irgendwie nie Probleme. Außer Socken strickte sie die tollsten Pullover, und wenn man da zuguckte, konnte man kaum die Nadeln erkennen, so schnell flitzten die durch die Wolle. Ihre gleichmäßigen Maschen, die ihr eins-zwei-drei von den Fingern hüpften, sind in der Tat noch heute ein echtes Vorbild für mich. Sie zog nicht zu straff an und ließ nicht zu locker. Elvira war beim Stricken einfach perfekt.

Noch heute liegen die Socken, die Elvira nach meinen Farbwünschen für mich zauberte, in meinem Schrank, ganz hinten oben, bei den anderen Reliquien. Sie haben Löcher bis zum Anschlag, aber ich glaube, ich werde sie weiter aufheben. Vielleicht für immer.

Dienstag, 26. Februar 2008

Die verstrickte Dienstagsfrage 9/2008


Heute fragt das Wollschaf:
Beim Stricken heute ist mir folgende Frage gekommen: Was machen eigentlich Wollstrickerinnen, wenn sie feststellen, daß sie versehentlich von der Strickvorlage/-anleitung abgewichen sind oder sogar einen "Strickfehler" begangen haben? Trennt ihr das Gestrickte auf und korrigiert es? oder legt ihr das Strickzeug erst mal auf unbestimmte Zeit zur Seite (und ärgert euch, daß euch das passiert ist)? oder könnt ihr Euch mit dem "Strickfehler" arrangieren und bucht es unter "individuelle Machart" ab? Was sind Eure Erfahrungen?
Zweifelsohne Strickanleitungen sind hilfreich! Z. B. beim Pulloverstricken (Musteranleitung und Größenangaben). Oder strickt ihr doch "kreativer": Stellt die Strickmuster selbstzusammen? Nehmt das Maßband zur Hand wegen Breiten- und Längenberechnung, oder sogar den Taschenrechner? Wie geht ihr vor, damit es Euer "Lieblingsstück" wird?
Vielen Dank an Irene für die heutige Frage!
---------------------------
Der Wollmops hat scharf nachgedacht und sagt dazu:
Was ganz Ähnliches wollte ich auch schon mal fragen. Für mich kommt's nämlich immer auf die Vorlage an. Respektive auf ihre Kompliziertheit und die Schwere des Fehlers, des Abweichens. Wenn ich mich so an die letzten Gelegenheiten erinnere: Einmal hab ich gemerkt, dass die Ärmel mit der korrekten Reihenzahl bei mir kürzer werden als in der Anleitung angegeben. Der Grund war klar, da war ich wohl ein bisschen ungenau in der Maschenprobe gewesen, hust. Aber mir kam das gar nicht übel zupass; da meine Arme sowieso nicht die längsten sind, hab ich das Teil einfach beendet, als wär nix gewesen.
Bei anderen Gelegenheiten gibt's nichts als Auftrennen, z.B. bei Lace-Mustern. Da ich deren Mathematik noch nicht kreativ beherrsche, also noch keines selbst entworfen habe, muss ich mich an die Vorlage halten - sonst kommen ja nur unsortierte Lochkarten dabei raus.
Den umgekehrten Fall hatte sicher auch schon jede mal: Du denkst dir nix Böses, und auf einmal merkst du, da kann was nicht stimmen - und zwar, obwohl du genau der Anleitung gefolgt bist. Und da hilft dann wirklich nur noch Taschenrechner raus und durch.
Ansonsten habe ich mich, wie Ihr wisst, bereits in Designbereiche vorgewagt und werkele grade an meiner ersten "Kollektion". Das macht mir extrem viel Spaß, sogar noch mehr als richtig tolle Anleitungen.
Von denen kann man allerdings nie genug haben. Findet der Wollmops.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Criminal Knitting 2



Wie versprochen: Der Wollmops hat weitergelesen.
Zuerst noch mal ein Mary-Kruger-Elaborat - Knit Fast, Die Young -, dann Knit One, Kill Two von Maggie Sefton.
Beide Bücher weisen zum einen erstaunliche Parallelen auf und unterscheiden sich gleichzeitig stark in einem wichtigen Punkt: Maggie Sefton hat mir viel mehr Spaß gemacht.
---
Mary Krugers lässt in ihrem Knit Fast, Die Young erneut Ari, die Wollladen-Inhaberin, auftreten. Diesmal fällt ihr auf einem Woll-Festival eine Leiche in die Arme, die berühmt-berüchtigte Magazin-Besitzerin Felicia, deren Kritiken sehr gefürchtet sind. Wer ihr die Nadel in den Rücken gerammt und dann auch noch eine andere Frau auf dem Festivalgrund unter Vliesen erstickt hat, bleibt bis zum Schluss fraglich. Als adoptiertes Kind, das von Felicia einst weggegeben wurde und jetzt seinen Rachedurst an ihr auslebt, kommen mehrere Figuren in Betracht. Die angedeutete Liebesverstrickung mit dem niedlichen Detective Josh setzt sich nebenbei fort und trägt zum lauschigen Ambiente des Krimis bei.
In der Tat passiert sonst nicht viel. Freeport ist ohnehin ein kleiner Ort, und da sich die Autorin in ihrem neuen Roman auf das Festival konzentriert, wo die Verdächtigen (darunter auch Ari) stundenlang festgehalten werden, wird's noch etwas enger. Kammerspiele können extrem spannend sein, aber man muss sie gut beherrschen.
---
Da ich Knit One, Kill Two von Maggie Sefton gleich danach las, fielen mir gewisse Ähnlichkeiten ganz besonders ins Auge. Zum Beispiel, dass auch hier eine frühe ungewollte Schwangerschaft samt Adoption eine entscheidende Rolle spielt. Vom Wollladen gar nicht zu reden - aber Wollläden sind womöglich obligatorisch in Strickkrimis ...
Natürlich steht auch hier eine Frau als Protagonistin im Mittelpunkt: Kelly, deren geliebte Tante und Quasi-Ziehmutter ermordet wurde. Sie reist ins beschauliche Fort Connor, um die Beerdigung und die Angelegenheiten ihrer Tante zu organisieren, und stößt dabei auf verdächtige Ungereimtheiten. Allen voran: Warum hat ihre Tante kurz vor ihrem Tod noch Geld auf das gerade erst abbezahlte Haus geliehen?
Liebevolle Unterstützung findet Kelly in einem Kreis von Freundinnen, die sich täglich im Wollgeschäft über der Straße treffen. Doch erst nachdem noch eine weitere alte Dame dran glauben muss, kommt es zum Showdown mit dem ruchlosen Killer - natürlich im Zentrum des Geschehens, im Wollladen, und gemäß dem Genremotto Cozy eher spannnungsminimiert.

Abgesehen vom etwas lauen Schluss und ein oder zwei Fäden, die nicht wieder aufgegriffen werden, ist der Krimi jedoch gut aufgebaut und hält die Leserin mühelos bei der Nadel.
Herrlich für alle Strickerinnen auch die ausgedehnten Beschreibungen des versponnenen Ladens, der vor haptischen und optischen Eindrücken nur so strotzt. Selbst für Humor ist dank der einen oder anderen etwas skurrileren Figur gesorgt - und Kellys Strickanfänge lassen sicher einige Leserinnen in nostalgische Erinnerungen versinken.
Der ganze Krimi macht auf mich einen wesentlich solideren Eindruck als Krugers Knitting Mystery. Auch wenn man nicht zu viel erwarten sollte, hat er mehr Tiefgang, arbeitet mit erheblich mehr Details, erfreut mit mehr Wollbeschreibungen und weckt zumindest bei mir mehr Lust auf Folgeromane.
---
Sprich: der Wollmops liest natürlich weiter. Bis demnächst auf dieser Seite!

Dienstag, 12. Februar 2008

Die verstrickte Dienstagsfrage 7/2008


Heute fragt das Wollschaf:
Gibt es Stricktechniken, an die du dich noch nie herangetraut hast? Welche?
Vielen Dank an Kerstin für die heutige Frage
-----------------------------
Der Wollmops hat die grauen Zellen angekurbelt und sagt: Ach du je, was für eine schwierige Frage! Ich meine, wo soll ich da denn anfangen?
Ja, es gibt da einige Techniken. Auch wenn ich jetzt nicht so einen Riesenbammel davor habe - denn wie Jinx schreibt: Wovor soll man sich denn fürchten, wenn's mal nicht sofort klappt? Aber auf ein paar Sachen möchte ich einfach noch ein bisschen besser vorbereitet sein.
So habe ich neulich ein zweifarbiges Stirnband gestrickt - als Übung für das ominöse Fair Isle. Und ich versuche mich an kleineren Lace-Einlagen an Krägen und Stulpen - als Übung für ein komplettes Stück aus Spitze. Modulstrickerei hab ich noch nicht ausprobiert - aber im Moment reizt es mich auch nicht. Hebemaschen hingegen schiebe ich noch vor mir her, auf der Suche nach dem richtigen Projekt zum Ausprobieren.
Außerdem bin ich davon überzeugt, dass draußen in der wunderbaren Welt der Strickerei noch viele unentdeckte Herausforderungen auf mich warten. Also ran an den Speck! Ohne Furcht, mit Nadel!