Dienstag, 11. März 2008

Ausspinnen ...


So einen Wochenstart brauch ich so schnell nicht noch mal. Gehen wir am Sonntag ins Bett, ich noch mit ganz verdrehtem Kopf, weil ich bis kurz vor Schluss gespindelt habe, und wachen um halb 3 wieder auf. Das heißt, ich wache auf, mein Liebster sitzt schon neben mir und hat das Licht an.
Und sagt: Mir ist nicht gut. Ich hab Herzdrücken.
Herzdrücken?! Das Wort ist bei uns noch nie gefallen.
Mein ganzer Kreislauf erstarrt zu Eis. Das ist es, wovor sich alle Leute mit Liebsten fürchten. Du wachst mitten in der Nacht auf, und dann geht es nur noch abwärts.
Wir riefen sofort den Notarzt, und da wir mitten in München sitzen, kam der auch schnell. Und teilte uns mit, dass es sich bei den Beschwerden nicht um Herzdrücken handelt, sondern zu 99,9 % um einen eingeklemmten Nerv, der von der Wirbelsäule her ausstrahlt.
Mein geliebter Mann, das Herzstück meines Lebens: 50 Jahre alt, sieht eher aus wie 40, ist sportlich, fit und jung. Und hat - im Gegensatz zu mir - noch nie gespürt, wie gemein ein eingeklemmter Nerv wehtun kann. Daher das alarmierende Missverständnis.
Wir fuhren dann trotzdem ins Krankenhaus, nur zur Sicherheit und zum Abklären. Letzteres dauerte Stunden. Er in der Notaufnahme, ich davor am Auf- und Abtigern, irgendwo drinnen die gellenden Schreie einer Frau. Um 6 Uhr schickte er mich nach Hause, weil er grade die Auskunft gekriegt hatte, dass es eh noch länger dauern würde.
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Den Rest des Tages - er kehrte gegen 8 zurück - verbrachten wir mit notwendiger Terminarbeit und Nachschlafen. Mit zahllosen Liebeserklärungen und mit Spinnen. Spinnen und die anderen Handarbeiten sind so viel mehr als bloß Arbeiten für die Hand. Ihr wisst, wovon ich rede. Die Schönheit, die in der aufgefächerten Wolle steckt, bereichert unser Leben. Die Sache selbst kann uns beruhigen (außer wenn sich die Spindel auch beim Einschlafen noch weiterdreht) und uns den Stress aus den Nerven saugen, Tag für Tag. Und genau dieser Wochenstart hat mir mal wieder deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass wir uns davon nicht aufessen lassen. Angst essen Seele auf? Spinnen wir dagegen an!

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