Dienstag, 30. September 2008

Die verstrickte Dienstagsfrage 40/2008


Heute konfrontiert uns das Wollschaf mit folgendem Ansinnen:
In der Interweave Knits vom Winter gab es einen Artikel, der sich mit der Frage beschäftigt, ob (und warum) mache StrickerInnen eher prozess- und andere eher produktorientiert stricken. Das würde mich auch interessieren. Ist für Euch der Prozess des Strickens oder das fertige Produkt entscheidend?


Herzlichen Dank an Wassilissa für die heutige Frage!


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Eine tolle Frage, findet der Wollmops und bedauert mal wieder, dass er die Interweave nicht abonniert hat. Nach einigem Überlegen meint er dazu:

Es ist einfach eine wunderbare Mischung.

Am Anfang steht für mich das Projekt, eine fremde oder eigene Idee, die mich reizt. Dann beginnt der Prozess, der bei eigenen Sachen schon mal etwas haarig starten kann, wenn ich immer wieder auftrennen muss.
Wie auch in meinem Beruf als Lektorin gibt’s dann Stellen, die mich ein bisschen langweilen oder ärgern, wo es irgendwie hakt und ich ums Verrecken nicht weiterkomme. Aber die meiste Zeit hab ich was davon, und zwar nicht wenig: Ich entspanne mich beim Anblick der herrlichen Farben, die durch meine Hände gleiten, staune über das Maschenbild, schließe die Augen und fühle die Beschaffenheit der Wolle. Ich genieße es sehr, wenn ich knifflige Stellen gemeistert habe oder wenn ein Muster noch schöner aussieht, als ich dachte, oder ich wieder mal was dazugelernt habe.

Und dann irgendwann ist das Stück fertig, oft kann ich es kaum glauben, fast immer gefällt es mir, stolz zeige ich es her, probiere es an, betrachte es mir von allen Seiten. Wenn es zum Verkaufen gemacht ist, drapiere und fotografiere ich es, bereite Bilder und Text zu und stelle es schließlich ein. Das alles macht mir unglaublich Spaß.

Aber egal, ob ich fertige Sachen nun selber trage, verschenke oder verkaufe, nach dem Fertigmachen freue ich mich schon aufs nächste Teil. Aufs Entwerfen, Wolle-Raussuchen, Mustersuchen oder –entwickeln, und auf das Stricken selbst. Und ich finde es herrlich, das immer und immer wieder tun zu können.

Da sagt mal selbst: Wie soll man sich da entscheiden, was einem am besten gefällt? Für den Wollmops kann’s wieder mal nur eine Antwort geben: Gar nicht.

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