Mittwoch, 1. Oktober 2008

Herbst. Zeit.






Zeit. Zurzeit wache ich mal wieder eine Stunde zu früh auf und kann nicht wieder einschlafen. Kaum halb ins Bewusstsein gerutscht, springe ich schon auf das Karussell in meinem Kopf: Was muss ich heute machen und was morgen, was darf ich nicht vergessen und habs noch nicht notiert, bis wann schaffe ich was?

Schon vor Wien rannte mir die Zeit davon. Und nach dem Urlaub wurde es nicht besser. Die Bücher, die auf mein Lektorat warten, sitzen mir im Nacken und flüstern mir ihre Sätze ins Ohr. Vor mir kauern die Deadlines mit bösen, tintenroten Blicken.

Eigentlich möchte ich drei neue Sachen bei Dawanda einstellen. Eigentlich möchte ich bloggen: über die neuen japanischen Strickbücher, die letzte Umfrage, den Benediktbeurer Textilmarkt und die Begegnung mit Wollmeise, über meine ersten Erfahrungen mit Malabrigo-Wolle. Und über meinen ganzen Stolz – mein neues winterliches Mützendesign.

Von Sachen wie Putzen, Staubsaugen, Blumenherrichten, Mailsbeantworten, Tagebuchschreiben, Neuebrillebesorgen, Scheinwerferfürfotoskaufen und so weiter ganz abgesehen. Obendrein geht nächste Woche meine große Zahnbehandlung los, mit Altekronenrunter und Neuekronendrauf. Ein herrliches Herbstvergnügen.

Das Einzige, was ich trotz allem schaffe, ist Stricken. Und darüber bin ich sehr froh. Stricken malt mir Ruheinseln in den Zeitstrom, und ich betreibe Inselhopping, von Abend zu Abend, von Mittagspause zu Mittagspause. Und wenn ich dann da so auf meinem Eiland sitze, merke ich, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie es mir in den frühen Morgenstunden scheinen will.

Tatsächlich hat ein Kunde seinen Eilauftrag in gegenseitigem Einvernehmen zurückgezogen. Und auf einmal habe ich drei Tage weniger Stress. Mein anderer laufender Auftrag entspannt sich wie ein zu stark gedehnter Gummi und lässt mir wieder Luft zum Atmen. Und zum Bloggen.
Montag, habe ich mir vorgenommen, lege ich mit meinem Mann einen kleinen zusätzlichen Pausentag ein. Wir werden ein bisschen spazieren gehen, viel reden, und ich werde sicher eine Menge stricken.

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