Sonntag, 4. Januar 2009

Sag niemals nie


Gestern haben meine Freundin Monika und ich wochenendliche Familienbande gekappt und uns bei mir zu einem freien Spinn- und Kardiernachmittag getroffen, der ganze 10 Stunden dauerte und recht erstaunliche Ergebnisse zeitigte.

Ich hatte mich und die Wohnung gründlich darauf vorbereitet. Was wegen manischem Spinnen (trotz Urlaub) und nervigem Kopfweh (ebenfalls trotz Urlaub) in den letzten Tagen an Haushaltsarbeiten liegen geblieben war, wurde von einer einzigen AufräumUndPutz-Welle hinweggefegt. Und siehe, meine Wohnung ward ordentlich! Ich konnte es kaum glauben.

Zusammen mit Monika ging ich dann prompt daran, diesen untragbaren Zustand zu ändern und die Zimmer zu verwüsten. Plötzlich lag ihr riesiger Rucksack, in dem sie ihre neu erworbene Trommelkarde angeschleppt hatte, zwischen den Kammzugknäueln herum, die aus einer meiner Kisten explodiert waren, kaum dass ich sie geöffnet hatte. Gesponnene Stränge aus meiner manischen Fertigung drapierten sich über Bücher zu Färben, Spinnen, Stricken und Wollmauszucht, die wir aus den Regalen gezerrt hatten, der Küchentisch brach unter der Kardiermaschine fast zusammen und konnte sich nur deshalb aufrecht halten, weil neben ihm hochherrschaftlich mein Spinnrad thronte, an dem Monika saß und spann.

Und wie sie spann! Während ich beglückt Gramm um Gramm durch ihre Trommelkarde jagte, spann Monika, die noch bis Ende Februar auf ihr eigenes Spinnrad warten muss, einen wunderbar gleichmäßig dünnen Faden. Schon vorher bei Plätzchen und Getreidekaffee hatte sie mir kategorisch erklärt, dass Art Yarn ihre Sache nicht sei. "Für mich", hatte sie gesagt und dabei freundschaftlich meine ersten Garne mit orangen Knubbeln und grünen Fransen getätschelt, "für mich ist vor allem wichtig, einen schön gleichmäßigen Faden zu spinnen." Bevor ich noch sagen konnte: "Ja, das will ich natürlich auch können, aber Art Yarn ist einfach so ...", saß sie praktisch schon am Rad und freute sich, wie schnell sie Gleichmäßigkeit erzeugen konnte.
Während sich die Spule allmählich füllte, bemerkte ich irgendwann zwischen zwei Kardierdurchgängen: "Vielleicht ist da doch ein bisschen viel Drall drin." Aber schon im nächsten Moment waren wir beide von unserem Gesprächsthema (Spannungen in der Familie) so abgelenkt, dass das sofort wieder unterging.

Der erfahrenen Spinnerin, die hier mitliest, zuckt es jetzt womöglich schon um die Mundwinkel, alle anderen haben noch diesen unschuldigen Blick, den auch wir hatten, als Monika ihr Spinnergebnis von der Spule auf mein neues Niddy Noddy wickelte und dabei anzog, als ginge es um ihr Leben. Hinterher schaffte ich es kaum, die Abbindfäden einzuflechten, so straff hatte sie den Faden gespannt. "Du hast gesagt, ich soll es spannen!", beschwerte sie sich, als ich mich beschwerte. "Ja, aber erst, wenn du es nass gemacht hast", ächzte ich.

Schließlich war es doch geschafft. Und wir zerrten den Strang von der Handhaspel. Aber was war das? Vor unseren Augen zurrte sich das Ding, das gerade noch stolze 150 Zentimeter Umfang gemessen hatte, zusammen! Es schrumpfte und schrumpfte – von Minute zu Minute mehr! Überdrallte Garnstücke schossen heraus wie Spargel aus dem Boden, wir konnten nur sprachlos zusehen. Bald darauf konnte ich mir den gesamten Strang als Kragen umlegen - und das war der Moment, wo wir in hysterischem Gelächter zusammenbrachen. Monika krümmte sich lachtränenüberströmt auf ihrem Stuhl, ich hockte gegen die Spüle gelehnt auf dem Boden und riss mir das Ding wieder herunter, um genug Luft zu kriegen. Wenige Sekunden später war es schon so klein, dass ich es als Armband tragen konnte. Als ich meiner Vermutung Ausdruck verlieh, im Zentrum des Strangs könnte sich ein schwarzes Loch befinden, fiel Monika fast vom Stuhl.

Es dauerte lange, bis wir uns erholt hatten. Wir hatten unsere Kleider in Ordnung gebracht, uns an den Tisch gesetzt und versuchten gerade, wieder etwas Normalität herzustellen, als Monika sagte: "Und dabei wollte ich doch nie ein Art Yarn machen."
Wir klappten erneut zusammen.


PS: Als Halskrause macht sich das Objekt wirklich nicht schlecht. Besonders mit ein paar Federn oder fluffigen Wollteilen drin. Wenn man erst mal geschafft hat, mit Lachen aufzuhören, ist es definitiv ein wunderschönes Teil. Und grün gefärbt lässt sich nächstes Weihnachten damit sogar der Adventskranz sparen. Das Loch für die dicke Kerze in der Mitte ist ja schon drin.

Kommentare:

Garnprinzessin hat gesagt…

Oh wie toll! Im ersten Moment habe ich nur die wunderbar, in deutschen Strickblogs doch eher selten angewandte Fähigkeit zur literarischen Figur der Übertreibung bewundert. Aber bei Betrachtung des Photos entfuhr mir dann doch ein "Oh meine Güte!". Herrlich! Danke & bitte weiter so!

Liebe Grüsse von der

Garnprinzessin

Der Wollmops hat gesagt…

;o))))
Danke sehr! Wird gemacht!

Grinsende Mopsgrüße

klitzegross hat gesagt…

als ich das jetzt gelesen habe, musste ich sehr aufpassen, um nicht gleich wieder vom Stuhl zu fallen...
Und: es ist kein kleines bisschen übertrieben, das würde der Wollmops doch NIE tun - ich war life dabei und muss es also wissen.
Immer noch grinsende Grüße von Monika

Der Wollmops hat gesagt…

;o))))))))

Küsschen
vom Wollmops

Elli hat gesagt…

Köstliche Geschichte;)

Ein Entspannungsbad hilft Wunder (für die Wolle natürlich),ansonsten Adventskranz mit Zentrumskerze hat auch was,kicher.

Viele Grüße,Elli

petzispinner hat gesagt…

Wunderbar geschrieben. Ich grinse immer noch.

Wollfrosch hat gesagt…

Uahahahaha! Echt klasse! Das war eine Freude zu Lesen. So was ähnliches habe ich auch mal produziert. Allerdings beim Navajozwirnen.

LG Jule